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Beitrag im Kulturausschuss zur Kulturentwicklungsplanung

Marion Josten

Kulturentwicklung der Stadt Hamm

 

Ziel des Planungsprozesses für die Kulturentwicklung der Stadt Hamm muss es sein, qualifizierte Informationsgrundlagen für kulturpolitische Entscheidungen zu erarbeiten.

Einen unverzichtbaren Beitrag leistet der uns vorliegende Rückblick der bisherigen Entwicklung bis zum heutigen Tage. Zurecht sind hier die Erfolge bzw. die vielen positiven Veränderungen aufgelistet.

 

Dieses Papier ist nämlich kein Plan, den es hier und heute zu verabschieden bzw. zu empfehlen gilt, sondern ein Rückblick, eine Bestandsaufnahme mit Empfehlungen . Die Aufregung der CDU, als alle anderen Parteien nicht bereit waren diesen Rückblick als Plan zu verabschieden bleibt unverständlich.

 

Früher war es in allen Kommunen üblich, dass die Verwaltung einen solchen Plan erarbeitete, der dann in den politischen Gremien, meist ohne breite Beteiligung der Bürger, beschlossen wurde.

Ein Plan als solcher ist es jedoch nicht. Es reicht nicht zu sagen:„Die Stadt Hamm hat jetzt auch endlich einen aktuellen Kulturentwicklungsplan!“

 

Dieser Bericht fußt nicht auf breite Beteiligung größerer Bevölkerungsteile, ist dort zu lesen.

Aber eben das genau, ist die Voraussetzung für eine nach vorne gerichtete an allen Bürgern orientierte Kulturentwicklungsplanung.

 

Ein kluger Mann aus einer Nachbarstadt hat geschrieben „Politik braucht kurzfristige und vorzeigbare Erfolge, Kultur hingegen muss mit langfristigen Perspektiven und Nachhaltigkeit leben. Ein Dilemma!“

 

Machen wir es wie Verantwortliche in anderen Kommunen und gründen ein Kulturforum. Denn nur Politik und engagierte Bürger, Entscheidungsträger, Kulturschaffende und Kulturverantwortliche gemeinsam können dieses Dilemma förderlich gestalten, die Kulturplanung entwickeln und damit im Bewusstsein auch derjenigen Bürger verankern, die sich hier heute noch nicht wiederfinden können. UND die Teilhabe ermöglichen.

In fünf Jahres Abständen Künstler und interessierte Bürger in einer Sitzung mal zu „hören“ ist wenig zielführend und an der Basis vorbei.

 

Ich zitiere von der ersten Seite des Berichtes, reiße aus dem Zusammenhang...“unabhängig dessen erscheint es daher sinnvoll, eine Vision von der Kulturentwicklung in unserer Stadt zu haben......

 

Der Politik scheinen die Visionen abhanden gekommen zu sein.

VISIONEN, NICHT vorweg genommene Einschränkungen wie „...da die Kulturentwicklung der Stadt Hamm mit Blick auf die kommenden Jahre in weiten Bereichen als weitgehend abgeschlossen gelten kann.“  eröffnen neue Möglichkeiten.

 

 

Denn auch der Kutltursommer, oder eine neue Bücherei waren einmal Visionen. Daher sollten wir zu erst als Visionäre überlegen was diese Stadt braucht. Um dann im zweiten Schritt realistische Schritte für die Umsetzung zu überlegen.

 

 

Bedeutend dabei ist die Schwerpunktsetzung des Plans. So darf sich aus unserer Sicht eine Politik für die Bürger, eine Stadt für die Bürger, nicht als erstes Ziel Profilierung der Stadt Hamm als Bildungs- und Kulturstadt setzen. Wir brauchen heute kleine Kulturprojekte die ohne große Namen und Summen auskommen und dafür alle Menschen erreichen.

 

Wenn aber als ein zentrales Ziel für die Kulturentwicklung „ Profilierung der Stadt Hamm als Bildungs- und Kulturstadt, genannt wird“, ist dies zumindest  ein Zeichen für einen verfehlten Ansatz bzw. lässt die Frage nach der hier zugrunde liegenden Definition für Kultur entstehen.

 

 

Wer ist denn dann Kulturschaffender, Symphoniker, Jazzmusiker, etablierte Künstler oder die Freie Szene, sind es Sprayer oder gar die Marchmallows? Für wen soll hier Kultur im weitesten Sinne dargeboten werden? Wer kann und darf teilhaben, so wohl als Konsument als auch als Kulturschaffende?  Für wen schaffen wir Räume, Freiräume??

Es gibt auch in unserer Stadt so viele unterschiedliche Interessenlagen ,nicht nur Gesangsverein und Theater -oder Bücherfreunde. Auch die Kulturszene im öffentlichen Raum zu der auch die Marshmallows gehören oder Sprayer. Auch Migranten sind keine homogenen Gruppen, die sich nur aufgrund ihrer Nationalität unterscheiden, auch hier gibt es unterschiedlichste kulturelle Interessen. Menschen mit Behinderungen sind ebenfalls keine einheitliche Gruppierung, haben unterschiedlichste kulturelle Vorlieben,brauchen die uneingeschränkten Möglichkeiten der Teilhabe, nicht der Separation. Viele Familien erreichen wir bis heute aus unterschiedlichsten Gründen nicht. Entweder sprechen wir sie mit unseren Angeboten oder mit den üblichen Methoden nicht an. Oder in ihrer Nähe bietet die Stadt nicht erreichbares bzw. Bezahlbares.

Erwartet jemand ernsthaft, dass Menschen aus Pelkum sich damit zufrieden geben, dass wir in der Stadtmitte ein tolles Martin Luther Viertel haben, aber nicht wissen was sie in ihrem Stadtviertel tun können, außer mal in die Eisdiele oder in eine Spielhalle zu gehen?

 

Auch im Bericht wird festgestellt, dass gezielte Stadtteilkulturarbeit kaum mehr stattfindet.

Für sozial bedürftige Personen mit geringem Einkommen oder aus Wohnheimen haben wir da ausreichend Angebote?

In einem Kulturforum könnten Erfahrungen, Kompetenzen und Sichtweisen vieler Kulturakteure zusammengetragen werden, um Angebote und Einbindung aller Gruppen in allen Stadtteilen langfristig erreichen zu können.

 

Ich zitiere noch einmal aus dem Bericht „ Kultur ist als Prävention und Investitionsleistung für die kommenden Generationen bzw. als wichtiger Teil der Lebensbildung zu verstehen“, gerade in „schlechten“ Zeiten auch um diese zu bewältigen.

 

Daher greife ich die nicht erfüllte Forderung des vorliegenden Berichtes auf

•                    konsequenter Ausbau der Stadtteilkulturarbeit

und ergänze um folgende Forderungen

•                    Einrichtung eines oben angesprochenen Kulturforums

•                    ein verbilligtes Kulturticket, meint, ein Ticket kombiniert mit freier Fahrt im ÖPNV

•                    kostenlose Weitergabe von nicht in Anspruch genommenen Eintrittskarten im Kulturbereich für bedürftige Personen (einschließlich ÖPNV)

•                    Thematik von Behinderung und Kultur stärker in den Fokus rücken.

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