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Kritische Radtour der Hauptroute Uentrop und Braam-Ostwennemar

Gunda Wienke

Bei strahlendem Sonnenschein startete die Truppe an der Fährstraße zu ihrer Tour entlang der Hauptroute Uentrop, um zu sehen, was sich für Radfahrer:innen seit dem Beschluss im Jahr 2021 bereits verbessert hat.

Die rund fünfzehn Kilometer lange Tour führte zunächst entlang der Adenauerallee (Südseite des Datteln-Hamm-Kanals) Richtung Innenstadt. Über die Fahrrad-Promenade ging es weiter zum Startpunkt der Hauptroute Bramm-Ostwennemar: Start an der Marker-Allee, weiter über Dunantweg, entlang der Geithe bis zur Ostwennemarstraße. Von dort über den Abzweig Werries zum Maxipark und wieder retour zur Fährstraße entlang des Datteln-Hamm-Kanals.

Das Ziel einer Hauptroute ist es, eine „schnelle und sichere Verbindung für den Alltagsradverkehr“ zu schaffen. Um das zu gewährleisten, sind eine „klare Trennung von Verkehrsarten, hohe Oberflächenqualität, gute Beleuchtung, geringe Steigungen, sichere und komfortable Kreuzungspunkte sowie eine gute Wiedererkennbarkeit und Beschilderung“ wichtig.

Die Oberflächenqualität der Strecke ist meist top. Das Wichtigste im Maßnahmenpaket der Radhauptroute scheinen Asphaltierung und Parkplätze zu sein. Was das angeht, lässt sich die Stadt nicht lumpen. Alles, was zu asphaltieren geht, wird breitestmöglich asphaltiert. Wo Parkplätze eingerichtet werden können, werden sie geschaffen.

Was die Einrichtung eines Parkplatzes für die Gäste des Alten Fährhauses mit der Rad-Hauptroute zu tun hat, erschloss sich den Teilnehmenden nicht. Warum versiegelt und privatisiert man eine weitläufige Fläche im Kurpark und schafft nicht einen einzigen Radabstellplatz? – Oder soll da gar noch ein Parkplatz geschaffen werden? 

Barrierefreiheit ist Nebensache

Fest steht, dass sich die Situation für den Fuß- und Radverkehr an dieser Stelle deutlich verschlechtert hat. Ein barrierefreies Queren der Fährstraße ist nicht möglich, da der Bordstein zum Kurpark nicht abgesenkt wurde. Fuß- und Radverkehr werden in eine der Unterführungen gezwungen. Eine Trennung gibt es bisher nur entlang der Adenauerallee. Höchst fragwürdig zudem, dass ab der Brücke Tempo 50 gilt. Es gibt drei Stellen, wo auch oberhalb gequert werden kann. Mit Tempo 50 schreckt man Fußgänger:innen und Radfahrer:innen gezielt davon ab, das zu tun.

Ein geringeres Tempo würde nicht nur für mehr Verkehrssicherheit auf der Brücke sorgen – seit 2024 gilt nicht mehr der “Verkehrsfluss” als oberstes Ziel der STVO, sondern die „Verkehrssicherheit“ –, sondern auch das Brückenbauwerk schonen. Denn je höher das Tempo, umso größer der mögliche Schaden für die Brücke. Sinnvollerweise folgen weite Teile der Radhauptroute bereits bestehenden Radrouten, die im Zuge der Ausweisung der Radhauptroute Uentrop verbessert werden. So etwa entlang des Datteln-Hamm-Kanals, der zusätzlich mit Licht ausgestattet wurde und die Strecke so vor allem für Schüler:innen, Berufspendler:innen, Alltagsradler:innen und Touristen sicher gemacht hat. Auch entlang der übrigen Strecke ist eine gute Beleuchtung weitgehend sichergestellt. 

Fehlende Trennung der Verkehrsarten

Mangelhaft ist jedoch die fehlende Trennung der Verkehrsarten. Auto und Rad, Fuß und Rad. Die Marker Allee ist ein Paradebeispiel für verkehrsgefährdende Führung der Verkehre. Anstelle dass hier einfache und klare Verhältnisse geschaffen werden, hetzt man Autofahrende auf Radfahrende und Radfahrende auf Fußgehende. Schulwegsicherheit an der Friedensschule Fehlanzeige. Um Ärger mit Autofahrern zu vermeiden, führt man schlicht die seit den 90er Jahren abgeschaffte Radwegebenutzungspflicht entlang der Schule wieder ein.  Ab der Josef-Wiefels-Straße führt man die Radfahrenden auf einen Schutzstreifen (der vom Autoverkehr überfahren werden darf). Kaum 100 Meter weiter, kurz vor einer Seniorenresidenz, wird die Strecke mit einer Verkehrsinsel gefährlich verengt und obendrauf noch Tempo 50 angeordnet. sodass es richtig unangenehm und gefährlich wird. Wir fragten uns, warum nicht Tempo 30 entlang der gesamten Marker Allee gilt.

Warum nicht Tempo 30? 

Hier reihen sich Bildungseinrichtungen und Senior:innenheime aneinander, vor denen eh immer Tempo 30 gelten sollte. Ist die Stadtverwaltung hier vor der kleinen, lauten und handgreiflichen Kopf-ab-Fraktion der Autofahrer:innen eingeknickt? Man erinnert sich an die übelst massakrierten Polizistinnenschilder, die auf Tempo 30 hinwiesen. Tempo 30 wäre an der Marker Allee ein wichtiges Zeichen, nicht nur, um diesen Vandalen was entgegenzusetzen und die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sondern auch, um die Anwohner:innen vor Lärm zu schützen.


Was können intelligente Ampeln? 

Alle “intelligenten Ampeln” entlang der Strecke, ob mit oder ohne KI - Adenauerallee, Hesslerstraße / Marker Allee und Ostwennemarstraße – waren wohl zu intelligent für Autofahrende, die sich über zu viel „Rot” beschwerten, sodass die Ampeln anscheinend wieder auf den “normalen” Autofahrer:innnen-Vorrang zurückgestellt wurden. Es gilt das Modell “Bettelampel”, wo Radfahrende manchmal Grün bekommen und Fußgänger:innen sich auf Dauerrot und lange Wartezeiten einstellen müssen. Wer nicht rechtzeitig genug drückt, bleibt stehen. Schulkindern und anderen Zufußgehenden wird nicht einmal ein normaler Grünumlauf gewährt.


Am Dunantweg biegt die Strecke ab, auf die neu asphaltierte Radautobahn. Es gibt viel versiegelte Fläche, keinen Baum, keinen Strauch, der Schatten spendet. Viel Asphalt zum Brettern. Der motorisierte Radverkehr frohlockt, Spaziergänger:innen hingegen meiden die Strecke. Bleibt zu hoffen, dass der Weg entlang der Geithe bleibt, wie er ist – mit einer umweltfreundlichen, wassergebundenen Wegedecke, die das Versickern von Regenwasser erlaubt.  Dass der Geh- und Radweg gemeinsam geführt wird, bleibt auch im weiteren Verlauf der Strecke ein großes Problem. Dabei gibt die Verwaltungsvorschrift eine Trennung vor und auch der Verkehrssicherheitsrat rät Verwaltungen: „Seien Sie konsequenter und vermeiden Sie, wann immer möglich, eine gemeinsame Führung des Rad- und Fußverkehrs. 
Nutzen Sie stattdessen die Möglichkeit, auch Flächen des ruhenden Verkehrs zugunsten von Fuß- und Radverkehr umzugestalten! Radfahrende und zu Fuß gehende Personen sollen vor dem fließenden und ruhenden Kfz-Verkehr priorisiert behandelt werden.” (Quelle:
https://www.dvr.de/fileadmin/downloads/verkehrssicherheit-fuer-entscheider/Verkehrssicherheit-fuer-Entscheider_Rad-und-Fussverkehr-zusammen-oder-getrennt.pdf)

 

Knotenpunkte und Querungen weiterhin gefährlich

Ein weiteres Problem der Radhauptroute sind Knotenpunkte und Querungen. Hier sind Wille und Plan vonnöten. Aktuell sind viele Stellen noch gefährlich. Am gefährlichsten ist die Querung Dunantweg über die Soester Straße hinüber zum Geitheufer. Passiert ist bisher gar nichts. Es gibt nur eine minimale Stellfläche. Schon wenn man mit Anhänger unterwegs ist, wird es lebensgefährlich. Um die Gefahr zu verringern, ist zumindest eine Temporeduzierung geboten. Am Maxipark wird der Knotenpunkt der „Grünen Umweltachse“ gerade ausgebaut. Im weiteren Verlauf Richtung Datteln-Hamm-Kanal ist die „Grüne Umweltachse“ wenig grün. Uns strahlt eine schwarz-weiß-graue Blechallee an. Hier darf man gespannt sein, wie Asphalt und Blech zu Grün werden.

Retour Richtung Schleusenweg – aktuell Fahrradstraße – soll nicht etwa die bestehende Radroute entlang dem Datteln-Hamm-Kanal genutzt werden, sondern eine parallel dazu entlang der Kleingärten am Plackengrund. Hier sind viele Spaziergänger:innen mit Hunden unterwegs. Konflikte vorprogrammiert. Warum man da nicht die bestehende Strecke nutzt, ist uns ein Rätsel. Kein Rätsel, sondern gelebte Verwaltungspraxis: die Abhandlung am Abzweig Uentrop. Was zu asphaltieren ist, wird asphaltiert. Was zum Parken freigegeben werden kann (Buswendeplatz), wird freigegeben. Sicher Radfahren an der Lippestraße oder doch besser Parken auf dem Seitenstreifen? Ganz klar: Parken. Solange der Autoverkehr Vorrang hat, sind „schnelle und sichere Verbindungen für den Alltagsradverkehr“ kaum möglich. Die „klare Trennung von Verkehrsarten“ ist nicht gegeben, gegeben sind “hohe Oberflächenqualität, gute Beleuchtung und geringe Steigungen“. Es mangelt jedoch an „sicheren und komfortablen Kreuzungspunkten“ und auch die „gute Wiedererkennbarkeit und Beschilderung der Strecke“ kann noch deutlich verbessert werden. 

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