Atomruine THTR: Steuerzahler*innen zahlen die Zeche für eine gescheiterte Technologie
Das seit 1989 stillgelegte Kernkraftwerk in Hamm-Uentrop steht vor dem finanziellen Kollaps. Die Betreibergesellschaft HKG ist insolvent und seit Dezember handlungsunfähig, ab dem 1. April drohte ein genehmigungsfreier Zustand. Bund und Land streiten über Kosten in Milliardenhöhe, während gleichzeitig auf Bundesebene über einen Wiedereinstieg in die Atomkraft diskutiert wird. Für die Ratsgruppe Die Linke in Hamm zeigt dieser Fall, dass die Atomkraft eine Technologie der Vergangenheit bleiben muss. Dazu erklärt Ratsfrau Sefika Minte:
„Der THTR ist das Mahnmal einer gescheiterten Technologie. 15 Jahre Bauzeit, rund 2 Milliarden Euro Baukosten, nur 423 Tage Volllastbetrieb. Bereits am 4. Mai 1986, kurz nach dTschernobyl, kam es zu einem Störfall, bei dem radioaktive Partikel freigesetzt wurden, die der Betreiber zunächst verschwieg. Seit 1989 strahlt der Reaktor im sogenannten sicheren Einschluss vor sich hin. Der eigentliche Rückbau soll ab 2028 beginnen, sich bis 2044 erstrecken und könnte bis zu einer Milliarde Euro kosten. Eine Milliarde Euro für ein Kraftwerk, das nie funktioniert hat.
Und wer zahlt? Das Land legt die Kosten vor und will sie dem Bund in Rechnung stellen, Ministerin Neubaur rechnet selbst mit erheblichem Widerstand dagegen. Gleichzeitig sitzen kommunale Stadtwerke in Bielefeld, Hagen, Wuppertal und Aachen auf Millionenrisiken. Den Stadtwerken Bielefeld drohen allein bis zu 87 Millionen Euro Folgekosten. Geld, das jetzt für den Ausbau erneuerbarer Energien und die kommunale Wärmewende fehlt.
Die Bürger*innen in Hamm leben seit Jahrzehnten mit dem Sicherheitsrisiko, und seit dem 25. März rollen auch noch die ersten Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus quer durch NRW. Wer angesichts all dessen ernsthaft über einen Wiedereinstieg spricht, ob Bundeskanzler Merz, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen oder die AfD mit ihrem Bundestagsantrag vom 19. März 2026, ignoriert die Realität.
Dabei macht der Umstieg auf erneuerbare Energien auch ökonomisch längst mehr Sinn als jede Debatte über Atomkraft. Atomstrom kostet bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde, Windenergie maximal 10 Cent, Photovoltaik 14 Cent. Die Ökonomin Isabella Weber bringt es auf den Punkt: Nicht der Atomausstieg war der Fehler, sondern dass zu viel Energie in Ausstiegsdebatten und zu wenig in den Aufbau der erneuerbaren Alternativen geflossen ist.
Der Atomausstieg war die einzig vernünftige Entscheidung. Was fehlt, ist der konsequente Ausbau der Erneuerbaren. Jeder Euro, der in atomare Altlasten fließt, fehlt bei der Energiewende.“
